Nieuws

Jahresabschluss der Royal Friesland­Campina N.V. 2023

Schwierige Marktbedingungen und einmalige Restrukturierungsaufwendungen drückten Ergebnisse von FrieslandCampina im Jahr 2023

  • Nettoumsatz sank im Jahr 2023 um 7,1 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro aufgrund ungünstiger Wechselkursauswirkungen, des Verkaufs eines Teils des deutschen Verbrauchergeschäfts und rückläufiger Mengen auf Verbrauchermärkten, hauptsächlich infolge hoher Inflation.
  • Betriebsergebnis von 75 Millionen Euro, das durch die Differenz zwischen dem Garantiepreis für Mitgliedermilch und Marktpreisen für Basismolkereiprodukte, den Verkauf teurer Bestände auf einem Markt mit niedrigeren Preisen und ungünstige Wechselkursauswirkungen negativ beeinflusst wurde.
  • Gute Betriebsergebnisse für Business Groups Specialised Nutrition, Ingredients und Professional stärkten die Marktposition.
  • Einmalige Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 136 Millionen Euro zur Umsetzung der Strategie Expedition 2030, andere einmalige Kosten und höhere Finanzaufwendungen führten zu einem Nettoergebnis von -149 Millionen Euro.
  • Signifikant höherer Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit in Höhe von 831 Millionen Euro aufgrund einer Verbesserung des Betriebskapitals.
  • Milchpreis für Mitglied-Milchviehhalter:innen 48,08 Euro je 100 Kilogram (-16,2 Prozent).
  • Aufgrund des negativen Jahresabschlusses keine Barnachzahlung an Mitglied-Milchviehhalter:innen.
  • Gute Fortschritte bezüglich Nachhaltigkeitsagenda; deutliche Senkung der Treibhausgasemissionen des Unternehmens um 9,4 Prozent und der Mitglied-Milchviehbetriebe um 4,3 Prozent.
  • In der zweiten Jahreshälfte 2023 Start der Transformation, Expedition 2030, mit dem Ziel, FrieslandCampina führend und zukunftsfähig zu machen.

Der CEO der Royal FrieslandCampina N.V., Jan Derck van Karnebeek, äußerte sich folgendermaßen dazu:

„2023 war für FrieslandCampina ein schwieriges Jahr. Die Betriebsergebnisse standen unter starkem Druck, insbesondere in unseren weltweiten Geschäftsbereichen Verbrauchermilchprodukte und Trading. Im Gegensatz dazu hatten die Business Groups Specialised Nutrition und Ingredients ein gutes Jahr, was jedoch nicht ausreichte, um die enttäuschenden Ergebnisse der beiden anderen Business Groups auszugleichen. Das enttäuschende Betriebsergebnis führte in Kombination mit einmaligen Kosten und höheren Finanzaufwendungen zu einem negativen Nettoergebnis für 2023. Infolgedessen erhalten unsere Mitglied-Milchviehhalter:innen keine Barnachzahlung. Das ist enttäuschend, gerade in Anbetracht der gestiegenen Kosten für unsere Mitglieder und Kosten für weitere Nachhaltigkeitsmaßnahmen in den Milchviehbetrieben.

Angesichts der enttäuschenden Ergebnisse haben wir in der zweiten Jahreshälfte 2023 unsere Transformation Expedition 2030 eingeleitet, die ganz darauf abzielt, FrieslandCampina wieder zu dem führenden Molkereiunternehmen zu machen, das es immer war.

Den Kern der Expedition 2030 bilden sieben leistungsstarke Business Groups mit jeweils spezifischen Märkten, Produktkategorien, einer jeweils eigenen Strategie und den dazugehörigen Menschen, Kompetenzen und Investitionsniveaus. Die Diversität unseres Geschäfts macht FrieslandCampina stark. Unsere neue Unternehmensstruktur haben wir mit einem umfassenden Kostensenkungsprogramm verknüpft, um sicherzustellen, dass wir in den Business Groups, in unserem Produktionsumfeld und bei den unterstützenden Dienstleistungen eine angemessene Kostenstruktur haben. Leider bedeutet dies, dass in den nächsten zwei Jahren weltweit 1.800 Arbeitsplätze entfallen werden. Diese Entscheidung war schwierig, aber notwendig und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um die betroffenen Mitarbeiter:innen in diesem Prozess angemessen zu unterstützen. 

Wir werden uns auch künftig für die weitere Verstärkung der Nachhaltigkeit unserer Milchverarbeitungskette einsetzen. Wir tun dies für unsere Eigentümer, also die Mitglied-Milchviehhalter:innen, für unsere Mitarbeiterschaft weltweit und natürlich für unsere Kunden und Verbraucher:innen sowie alle anderen Beteiligten eines erfolgreichen und zukunftsfähigen Unternehmens FrieslandCampina.“

Entwicklungen

Im Jahr 2023 wurde FrieslandCampina mit herausfordernden Marktbedingungen konfrontiert. Das Betriebsergebnis von 75 Millionen Euro wurde durch die Differenz zwischen dem Garantiepreis für Mitgliedermilch und Marktpreisen für Basismolkereiprodukte, den Verkauf teurer Bestände auf einem Markt mit niedrigeren Preisen und ungünstige Wechselkursauswirkungen negativ beeinflusst. Darüber hinaus resultierte der durch die hohe Inflation bedingte Kaufkraftverlust der Verbraucher:innen in sinkenden Absatzmengen und geringeren Gewinnspannen bei Markenprodukten. Infolge dieser Entwicklungen standen die Volumen und Ergebnisse des Verbrauchergeschäfts unter Druck, und auch die Ergebnisse der Business Group Trading und der Professional Aktivitäten wurden negativ beeinflusst.

Professional konnte jedoch ihre Marktposition als Anbieter von Qualitätsprodukten für professionelle Kunden im Jahr 2023 stärken. Die Business Group Specialised Nutrition war mit der Marke Friso auf dem chinesischen Markt für Kindernahrung erfolgreich und steht auf diesem Markt nicht mehr wie noch vor einigen Jahren an siebter, sondern inzwischen an vierter Stelle. Die Business Group Ingredients war 2023 erfolgreich mit dem Verkauf hochwertiger Eiweiße für Lebensmittel für Erwachsene und dem Verkauf von Inhaltsstoffen und Halbfabrikaten für Anwendungen in Pharmazeutika und funktionellen Lebensmitteln durch DFE Pharma. Im Jahr 2023 wurde beschlossen, die Produktionskapazität von Molkeproteinisolat und Milchfettkügelchenmembran (MFGM) am Produktionsstandort Borculo (Niederlande) erheblich zu erweitern.

Höhere Zinssätze und ungünstige Wechselkursauswirkungen wirkten sich negativ auf das Nettoergebnis aus. Unter anderem infolge der einmaligen Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 136 Millionen Euro zur Umsetzung von Expedition 2030, einmaliger Kosten in Höhe von 58 Millionen Euro für die Beendigung eines langfristigen Vertrags sowie zusätzlicher Kosten in Höhe von 30 Millionen Euro im Zusammenhang mit höheren Kosten für den Umtausch von Fremdwährungen in Nigeria wurde das Jahr mit einem Nettoergebnis von -149 Millionen Euro abgeschlossen.

Umsatzerlöse

Die Umsatzerlöse von FrieslandCampina sanken im Jahr 2023 um 7,1 Prozent auf 13,1 Milliarden Euro gegenüber 14,1 Milliarden Euro im Jahr 2022. Dieser Rückgang ist vor allem auf ungünstige Wechselkursauswirkungen, den Verkauf eines Teils des deutschen Verbrauchergeschäfts und rückläufige Mengen auf Verbrauchermärkten, hauptsächlich infolge hoher Inflation, zurückzuführen. Vor Wechselkursauswirkungen sanken die Umsatzerlöse um 3,2 Prozent.

Betriebsergebnis und Nettoergebnis

Das Betriebsergebnis 2023 betrug 75 Millionen Euro, was im Vergleich zu den 471 Millionen Euro im Jahr 2022 einem Rückgang um 84,1 Prozent entspricht. Ungünstige Wechselkurs­auswirkungen drückten das Betriebsergebnis. Außerdem verursachten Zinserhöhungen sowie hohe Kosten für den Umtausch von Fremdwährungen in Nigeria zusätzliche Finanzaufwendungen. Aufgrund der bereits genannten einmaligen Restrukturierungsaufwendungen und der höheren Finanzaufwendungen belief sich das Nettoergebnis auf -149 Millionen Euro gegenüber einem Nettoergebnis von 292 Millionen Euro im Jahr 2022.

FrieslandCampina investierte 568 Millionen Euro in Werbung und Verkaufsförderung gegenüber 601 Millionen Euro im Jahr 2022. Die Veräußerungs- und allgemeinen Verwaltungskosten stiegen um 1,4 Prozent von 922 Millionen Euro im Jahr 2022 auf 935 Millionen Euro im Jahr 2023.

Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit

Der Cashflow aus laufender Geschäftstätigkeit war mit 831 Millionen Euro im Jahr 2023 signifikant höher als die 293 Millionen Euro im Jahr 2022. Dieser Anstieg ist vor allem auf eine wesentliche Verbesserung des Betriebskapitals zurückzuführen.

Gewinnverwendung

Im Laufe des Jahres 2023 wurden 58 Millionen Euro als Rücklage für die Zinsvergütung für die Inhaber von Mitgliederobligationen eingestellt (2022: 29 Millionen Euro), 19 Millionen Euro wurden dem Darlehensgeber des genossenschaftlichen Darlehens ausgeschüttet (2022: 9 Millionen Euro), 9 Millionen Euro bekamen die Inhaber von ewigen Obligationen (2022: 9 Millionen Euro) und 67 Millionen Euro wurden Minderheitsanteilen zugerechnet (2022: 62 Millionen Euro). Zusammen mit dem konsolidierten Nettoergebnis von -149 Millionen Euro bedeutet dies, dass 302 Millionen Euro von der Gewinnrücklage abgezogen wurden, einschließlich der direkt der Anteilseignerin Zuivelcoöperatie FrieslandCampina U.A. zuzurechnenden Minderheitsanteile (2022: 183 Millionen Euro).

Finanzkennzahlen

Das Eigenkapital als Anteil der Bilanzsumme ist im Jahr 2023 gesunken, bleibt jedoch innerhalb der internen Zielvorgaben für diese Kennzahl. Die Vereinbarungsrichtlinien für alle Kreditlinien werden erfüllt. Aufgrund der höheren Zinslasten in Kombination mit dem geringeren Betriebsergebnis hat sich die Zinsdeckungsquote zwar verschlechtert, bleibt aber innerhalb der Richtlinien. Der Nettoverschuldungsgrad bleibt aufgrund der guten Cashflow-Entwicklung deutlich innerhalb der Richtlinien.

Anlieferung von Mitgliedermilch

Die Gesamtmenge der angelieferten Mitgliedermilch sank im Jahr 2023 gegenüber 2022 um 1,4 Prozent von 9.502 Millionen Kilogramm auf 9.369 Millionen Kilogramm. Dieser Rückgang ist auf die Verringerung der Zahl der Mitglied-Milchviehbetriebe von 9.927 auf 9.417 zurückzuführen.

Wertschöpfung für Mitglieder

Im Jahr 2023 erhielten die Mitglied-Milchviehhalter:innen von FrieslandCampina einen Milchpreis von 48,08 Euro pro 100 Kilogramm Milch. Das waren 16,2 Prozent weniger als im Vorjahr; damals wurden noch 57,35 Euro pro 100 Kilogramm ausgezahlt. Der Milchpreis besteht aus dem Garantiepreis und zusätzlichen Zuschlägen für besondere Milchströme und Weidemilch, der Foqus-planet-Prämie und der Barnachzahlung. Aufgrund des enttäuschenden Ergebnisses gibt es für 2023 keine Barnachzahlung.

Gute Fortschritte bei Nachhaltigkeitsagenda

Im Jahr 2023 sanken die Treibhausgasemissionen bei Produktion und Transport (Scope 1 und 2) gegenüber 2022 um 9,4 Prozent auf 588 kt CO₂-Äquivalent (2022: 649 kt). Die Treibhausgasemissionen der Mitglied-Milchviehbetriebe wurden im Jahr 2023 um 4,3 Prozent auf 10.359 kt CO₂-Äquivalent (2022: 10.823 kt) gesenkt. Im Jahr 2023 trat das neue System für den Foqus-planet-Bereich „Nachhaltige Entwicklung“ in Kraft, bei dem Mitglied-Milchviehhalter:innen eine höhere finanzielle Prämie für die Senkung der Treibhausgasemissionen auf dem Hof erhalten. Die Nachhaltigkeitsbemühungen der Mitglied-Milchviehhalter:innen auf ihren eigenen Milchviehbetrieben führen zunehmend zu Partnerschaften mit wichtigen internationalen Business-to-Business-Kunden, die bereit sind, diese Bemühungen finanziell zu unterstützen und damit auch ihren eigenen Fußabdruck zu verringern.

Der Gesamtenergieverbrauch lag im Jahr 2023 bei 13.499 TJ (2022: 14.823 TJ). Der Verkauf einiger Produktionsstandorte in Deutschland im Jahr 2023 und die (teilweise) Schließung von Produktionsstandorten in den Niederlanden im Jahr 2022 trugen zu einem strukturell niedrigeren Energieverbrauch bei. 91 Prozent des eingekauften Stroms unserer Produktionsstätten in den Niederlanden werden mit von Mitgliedern erzeugtem Strom gedeckt, weltweit sind dies 58 Prozent. Im Jahr 2023 wurde weiterer Fortschritt bei Wertschöpfung aus grüner Energie aus der eigenen Kette erzielt. So kaufte das Unternehmen beispielsweise Grünstromzertifikate für 500.352 MWh (2022: 486.000 MWh) von 1.285 Mitglied-Milchviehbetrieben (2022: 1.194).

Bei den Verbraucherprodukten erfüllten 75 Prozent des verkauften Gesamtvolumens die FrieslandCampina Global Nutritional Standards (GNS) Next Level. Der Anstieg gegenüber 2022 (72 Prozent) ist vor allem auf die geänderte Mischung der verkauften Mengen zurückzuführen.

Aussichten für 2024

Marktentwicklungen

Im Jahr 2024 wird die Milcherzeugung in den wichtigsten Milch exportierenden Regionen weiterhin unter Druck stehen. Die erwartete Nachfrage nach Milchprodukten wird weltweit leicht zunehmen. Angesichts anhaltender Konflikte und der geopolitischen Instabilität in verschiedenen Teilen der Welt werden die Kosten für Rohstoffe, Verpackungsmaterial und Transport voraussichtlich steigen.

Expedition 2030

Der Schwerpunkt von FrieslandCampina liegt auf optimaler Wertschöpfung aus der Mitgliedermilch, sodass ein führender Milchpreis gezahlt werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen, steht 2024 im Zeichen der Einführung der Strategie Expedition 2030 und einer neuen Organisationsstruktur mit sieben spezialisierten Business Groups. Unterstützt werden diese Business Groups von einer zweckmäßigen Produktionsorganisation und effizienten unterstützenden Abteilungen.

Der Erfolg von Expedition 2030 wird über drei Dimensionen gemessen: „Vorreiterrolle auf dem Markt“, „Erhöhung der Gewinnspanne“ und „Verbesserung unserer Liquiditätsposition“. Erfolg in diesen drei Dimensionen wird zu optimaler Wertschöpfung für die Mitgliedermilch führen. Die Expedition 2030 und die angekündigten jährlichen Einsparungen werden nicht nur die Inflation ausgleichen, sondern sich voraussichtlich auch positiv auf das Endergebnis auswirken. Aufgrund der unsicheren Marktbedingungen geben wir keinen konkreten Ausblick auf die Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Jahr 2024.

Investitionen

Im Hinblick auf künftiges nachhaltiges Wachstum wird FrieslandCampina im Jahr 2024 weiter in die Stärkung und Verbesserung der Produktionsanlagen sowie in Entwicklung und Innovation investieren. Im Januar 2024 eröffnete FrieslandCampina ein neues Produktions- und Vertriebszentrum in Cikarang, Indonesien, für die Produktion von gesüßter Kondensmilch für Indonesien und andere südostasiatische Länder. Außerdem wird derzeit eine neue Produktionsstätte in Bandar Enstek in Malaysia gebaut. Dieser Standort soll 2024 in Betrieb genommen werden und wird nicht nur über eine größere Kapazität verfügen, sondern auch eine breitere Palette von Produkten für den Export in die Nachbarländer produzieren. Beide Investitionen werden das Wachstum von FrieslandCampina in der Region unterstützen.

Verstärkung der Nachhaltigkeit

Auch im Jahr 2024 werden durch die Umsetzung unseres Klimaplans weitere Nachhaltigkeitsschritte realisiert. Zur Verwirklichung der Nachhaltigkeitsziele in unserer Wertschöpfungskette richten wir uns außerdem unter anderem voll auf die Kooperation mit Business-to-Business-Partnern.